Mein spontaner Kaiserschnitt

Und wie ich es mir für uns gewünscht hatte, ging es vorher los.

Am Tag vor dem ET traf ich mich noch mit einer Freundin und ihrer Familie um auf einem Kindersachenflohmarkt zu shoppen. Beim anschließenden Mittagessen verspürte ich plötzlich ein Ziehen, das ich so noch nicht hatte. Na Mensch, dachte ich, die Senkwehen, von denen alle sprechen. Bisher konnte ich da noch nicht mitreden. Unbewusst atmete ich auch ganz anders. Es war eine aufregende Situation. Als Erstgebärende ist man ja völlig ahnungslos, wie es sich anfühlen wird. Auch die Erzählungen aus dem Freundeskreis sind immer wieder sehr individuell. Jeder erlebt es anders und es ist immer einzigartig. Selbst mir fällt es nun schwer in Worte zu fassen, wie es sich anfühlte. Aber es war so intensiv, dass ich mit meiner Gabel noch nicht mal mehr an meinen Teller vor mir kam, um das bestellte Mittagessen zu mir zu nehmen. Ok, mein Appetit hielt sich zu diesem Zeitpunkt auch in Grenzen. Aber es nicht anzurühren? Das kann ich doch nicht machen… Zu schade für das leckere Essen (wir versuchen zu Hause auch möglichst wenige Lebensmittel wegzuwerfen, aber im Restaurant gibt es ja keine Alternative für das Küchenteam). Zudem  wäre es sicher nicht schlecht noch was zu essen. Wer weiß, was der Tag noch so bringt.

Gut es half nichts, an Essen war nicht zu denken. Ich konnte auch nicht mehr sitzen und lief tief ein- und ausatmend um unseren Tisch herum. Das sollte nun der Geburtsbeginn sein? Das konnte ich mir irgendwie nicht vorstellen… Meine Freundin hatte gerade ein paar Wochen zuvor ihr zweites Kind bekommen und im Nachhinein sagte sie mir, dass ihr klar war, dass es nun losginge. Sie sollte Recht behalten.

Da ich nicht wusste, was mich in den nächsten Stunden erwarten würde, rief ich zunächst meine Mama an. Mein Freund arbeitete noch und ich wollte ihn erst anrufen, wenn ich in Ruhe zu Hause war. Auto fahren wollte ich auch nicht mehr. So fuhr mich meine Freundin nach Hause und ihr Mann kam mit meinem Auto hinterher.
Wenig später war auch meine Mama da. Während das Ziehen inzwischen weg war und ich mich auch ansonsten wieder fühlte, als wäre nichts gewesen, war meine Mama ganz aufgeregt (unsere kleine Maus ist ihr erstes Enkelchen). Ich machte es mir auf der Couch gemütlich und kam etwas zur Ruhe. Aber ich war aufgeregt. In mir arbeitete es. So viele Monate trägt man dieses Wunder in sich, macht sich miteinander vertraut, ist immer zusammen und jetzt ist es bald soweit. Die Geburt steht kurz bevor. So viele Fragen, soviel Verantwortung, so viel Liebe und so viel Spannung, so viel Respekt und auch etwas Angst, vor dem was nun vor uns liegt.

Wir fuhren dann noch in die Geburtsklinik zum CTG. Die dort diensthabende Hebamme war sehr nett, eine sehr erfahrene und warmherzige Frau. Sie stellte leichte Wehentätigkeit fest, mehr aber auch nicht. Mit den Worten „ Am Dienstagmorgen komme ich ja spätestens her“ verabschiedete ich mich mit einem Lächeln. Darauf entgegnete sie nur, „ich glaube nicht, dass sich die Kleine noch bis Dienstag Zeit lässt“. Auch sie sollte Recht behalten.

Am Abend kochten mein Freund und ich noch ein leckeres Essen, irgendwie zelebrierten wir es richtig und erzählten viel. Das Ziehen kam wieder, das waren dann wohl auch Wehen, ich beobachtete sie und schaute auf die Minuten. Die Abstände wurden wieder größer und meine Babykugel entspannte sich wieder. Wir gingen schlafen.

Es ist 1:50 Uhr als ich auf die Uhr schaue und feststelle, da ist jetzt was passiert. Ich bin durch ein „Plopp“ wachgeworden. Das muss die Fruchtblase gewesen sein. So, nun weiß ich es also sicher. Unsere kleine Maus wird ein Sonntagsbaby, pünktlich auf den ET.
Es setzten richtige Wehen ein. Mein Freund packte alles zusammen. Im Krankenhaus angekommen, wurde nochmal ein CTG geschrieben. Die Wehen wurden stärker. Aber alles war gut. Um 07:00 Uhr sollte die Belegärztin kommen, mit der ich das Aufnahmegespräch für den Kaiserschnitt gemacht hatte. Da es keinen Grund gab, direkt den Kaiserschnitt zu machen, warteten wir also. Meine Hebamme wurde ebenfalls kontaktiert. Wir kamen in den Kreißsaal und hatten hier Zeit für uns. Eine intensive Zeit, wir erzählten, wir lachten, wir schwelgten beide minutenlang auch in unseren eigenen Gedanken. Aufregung, Vorfreude, Spannung. Es wurde langsam hell. Ich hörte die Tür der Entbindungsstation, hörte Absätze auf dem Boden. Die Stimme meiner Hebamme, die gut gelaunt, fast mitreißend, in den Kreißsaal stolzierte. Sie freute sich richtig. Da war sie richtig bei uns.

Alles für den Kaiserschnitt wurde vorbereitet, ich inklusive.
Und dann ging es in den OP. Und auch hier waren alle bemüht um uns, sehr freundlich und verständnisvoll. Ich fühlte mich wohl. Die Wehen waren inzwischen wirklich heftig und es musste nun noch ein Zeitpunkt für die Spinalanästhesie abgewartet werden. Dann ging alles so schnell und sie war da. Unser Kind, ein unbeschreibliches Gefühl, so klein und zart so unglaublich schön und liebenswert, einfach ein Wunder.

Sie wurde direkt zu mir gelegt. Ein unbeschreibliches Gefühl.

Wie es bei einem Kaiserschnitt meistens ist, war in den folgenden Minuten dann mein Freund bei unserer Kleinen, während ich noch im OP war. Aber nach 20 Minuten war auch ich dann zurück im Kreißsaal und wir hatten Ruhe und Zeit ganz für uns als kleine neue Familie.

Für mich war diese Geburt mit Kaiserschnitt unter dieser Bedingung genau die richtige Entscheidung. Ich bin froh, das Gespräch mit der Ärztin so gesucht zu haben und mit dem so hinausgezögerten Termin für den Kaiserschnitt auch einen Hauch natürlichen Verlauf und Selbstbestimmung mit eingebracht zu haben. Es ist sicherlich nicht zu vergleichen mit der natürlichen Geburt, aber wir haben unser bestes gegeben, unser Kind in dieser Welt willkommen zu heißen und es mit Geborgenheit, Wärme und Liebe bei uns ankommen zu lassen.
Susanne Mirau schreibt auf ihrem Blog „Geborgen Wachsen“ und auch im gleichnamigen Buch „Geborgenheit ist etwas, das wir mit unseren ganz eigenen Zutaten selbst herstellen.“ Genauso ist es. Auch wenn der Ort OP erstmal nicht nach Geborgenheit klingt, so ist es doch entscheidend, wie wir mit der Situation umgehen und welche Umgebung wir schaffen, dass sich ein so kleines neues Leben geborgen fühlt.

Wie ist es bei euch gewesen? Lief alles wie geplant und nach euren Wünschen?

Alles Liebe,

Susanne

0 Antworten auf „Mein spontaner Kaiserschnitt“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.